Berlin Interview

Interviewthema: Schweinegrippe

Interview mit Prof. Dr. Dr. Thomas Schneider *Leiter Infektiologie:* im Benjamin-Franklin Universitätskrankenhaus.

Die Schweingrippe ist zur Zeit das Gesundheits-Thema; man hört und liest sehr viel unterschiedliches.

Wie gefährlich schätzen Sie persönlich die Schweinegrippe ein?

Die Gefährlichkeit der Schweinegrippe ist als gering einzustufen. Die bis jetzt vorliegenden Zahlen sprechen für einen deutlich milderen Verlauf als bei der saisonalen Grippe. In Australien ist die Grippesaison schon vorbei, und hier gab es erstaunlich wenig Todesfälle durch die Schweinegrippe, so dass man fast vermuten kann, dass die Impfung nicht viel ungefährlicher ist als die Krankeit selbst.

Wie wird Schweinegrippe diagnostiziert?

Die Symptome sind sehr unspezifisch und können nicht ohne weiteres von anderen Erkältungskrankheiten oder grippalen Infektionen unterschieden werden. Die Schweinegerippe wird zur Zeit hauptsächlich durch einen Rachenabstrich mittels molekularbiologischen Nachweisverfahren (PCR) diagnostiziert.

Gibt es Mittel/ Medikamente die bei einer bestehenden Infektion wirken?

Wie bei anderen Grippeviren gibt es Medikamente, die auch gegen die Schweinegrippe wirksam sein können. Diese Medikamente – das bekannteste ist Tamiflu- haben aber nur einen marginalen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Sie können, wenn sie sehr frühzeitig – innerhalb der ersten 36 Stunden – verabreicht werden den Krankheitsverlauf um einige Stunden verkürzen. Allerdings hat sich gezeigt, dass Grippeviren auftreten können, die gegen diese Medikamente resistent sind. So waren in der letzten Saison über 95% der saisonalen Grippeviren in den USA gegen Tamiflu resistent.

 

Welches sind die Risikogruppen?

Eine genaue Risikoanalyse liegt nichtmal für die Schweinegrippe als Ganzes vor, geschweige denn kann man sicher bestimmte Risikogruppen benennen. Im Moment spekuliert man anhand kleiner Zahlen, dass Übergewichtige, Schwangere, Kleinkinder und Patienten mit schweren anderen zu Grunde liegenden Erkrankungen mehr gefährdet sein könnten, einen schwereren Verlauf zu entwickeln.

Wie entstehen solche viralen Krankheiten?

Diese Viren entstehen durch Rekombination genetischer Abschnitte von Grippeviren mit unterschiedlichen Wirtspektren. In diesem Fall handelt es sich, wie der Name schon sagt ,aus Genabschnitten eines Schweinegrippevirus und eines Menschengripppevirus. Durch die in den Industrieländern immer mehr geförderte Massentierhaltung wächst auch die Wahrscheinlichkeit, dass solche  neue viralen Erkrankungen entstehen. Der Name Schweinegrippe ist daher sehr zutreffend und sollte nicht durch andere Namensgebung von einem wichtigen Problem ablenken.

Wie schützt man sich am besten vor einer Ansteckung, ohne Impfung?

Hier gilt das Gleiche, was man auch beachten sollte, um sich vor den vielen anderen Erkältungskrankheiten zu schützen. Hierzu zälen sehr allgemeine Maßnahmen, wie z.B.  Massenansammlungen von Menschen meiden, sich regelmäßig die Hände waschen  und ein gesundes Leben führen mit Sport und ausreichend Schlaf. Wichtig ist auch sich bei Erkältungskrankheit ordentlich auszukurieren und nicht zur Arbeit zu gehen, um sich selber vor weiteren Infektionen zu schützen und auch andere nicht anzustecken.

Würden Sie die Schweinegrippe als Pandemie einstufen?

Die WHO hat ihre Definiton von Pandemie verändert, indem sie den Schweregrad der Erkrankung gestrichen hat.

Durch diesen Schritt ist die Schweinegrippe als Pandemie eingestuft worden, und die Länder in Zugzwang gebracht worden Impfstoffe zu bestellen.

Empfehlen Sie der Bevölkerung eine Impfung?

Die aktuelle Datenlage reicht für eine vernünftige Risikoeinschätzung nicht aus. Die vorläufigen Daten  sprechen gegen eine allgemeine Impfempfehlung für die Schweinegrippeimpfung. Man sollte sich weiter informieren und sich durch die “Mainstreampresse” nicht verunsichern lassen. Es ist schon traurig, dass in Deutschland auch aktuell keine vernünftigen Datenerhebung erfolgt.

Ob sich jemand gegen Schweinegrippe impfen lässt oder nicht, ist eine individuelle Entscheidung, die man auch nochmal mit seinem Hausarzt diskutieren kann. Ich würde zur Zeit von einer Impfung gegen Schweingrippe abraten.

Herr Professor Dr. Dr. Schneider wir danken für das Interview!

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