Berlin Interview

Interview einer Berliner Beteiligungsgesellschaft

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M10 ist eine Berliner Wagniskapitalgebergesellschaft  vom den beiden
Inhaber: Jörg Rheinboldt und Stephan Schwahlen und investiert in junge
wachstumsstarke Unternehmen.
Jörg Reinboldt

Herr Reinboldt, Sie waren einer der Gründer von alando, die nach
kurzer Zeit von ebay aufgekauft und zu ebay Deutschland wurde.

Wie kamen Sie auf die Idee selbst in die Venture Finanzierungs Branche
zu gehen?

Da gibt es viele gute Gründe das zu tun: zum einen gibt es unserer Meinung nach viele gute Ideen und exzellente Menschen, die diese realisieren können und zum anderen waren Stephan Schwahlen und ich 2005 beide in der Situation, in der – zumindest aus unserer Sicht – Zeitpunkt, Beteiligte, Idee und Chance sehr gut zusammenpassten. Persönlich liebe ich es, neue Themen zu entwickeln und das kann ich als Mitgünder und Investor natürlich sehr gut machen.
Stephan Schwahlen
Herr Schwahlen, in Ihrem Portfolio befinde sich Firmen wie: alatest,
smava aber auch SpickMich und betterplace.

Auf welche Beteiligung sind Sie besonders stolz?

Auf alle. Jede unserer Portfoliofirmen kann etwas unserer Meinung nach ganz besonders gut. Über jede können wir lange sprechen und erklären, warum wir glauben, dass sie in ihrem Segment Gewinner sind. betterplace.org startet dabei etwas außerhalb der klassischen “Return-Erwartungen”. Mit betterplace.org verfolgen unsere Mitgründer und wir keine finanziellen Renditeziele sondern ausschließlich gesellschaftliche. Das ist mal etwas neues.

Nach welchen Kriterien investieren Sie ?

Das kann ich schnell und lang beantworten. Hier die schnelle Antwort: Es geht uns sowohl um das Team als auch um die Idee. Wenn wir beides gut finden und überzeugt sind, dass sich damit nachhaltig erfolgreiche Geschäftsmodelle etablieren lassen, dann investieren wir Kapital und Zeit. Da man nun aber eigentlich nie - als Investor - alles “perfekt” vorfindet, gilt im Zweifel bei uns: Wir ziehen ein wirklich starkes Team mit einer eher mittelstarken Idee immer einer ganz tollen Idee eines eher mittelstarken Teams vor.

Wie lernen Sie die entsprechend wachstumsstarken, jungen Firmen
kennen; suchen Sie aktiv oder bewerben sich die Firmen bei Ihnen?

Die meisten der Teams, in die wir investiert haben, kennen wir vorher schon mindestens indirekt. Wir lernen immer wieder neue Menschen kennen, die vielleicht irgendwann auf die Idee kommen, etwas neues zu machen. Wenn dann das Timing stimmt und Team, Idee und wir zusammen passen, geht es weiter.
Was sind Ausschlusskriterien ?

Es gibt ein paar Konstellationen, die für uns nicht interessant sind. Zum Beispiel Geschäfte, die wir nicht verstehen oder bei denen wir uns nicht sicher sind, dass das Team bis zum Ende versteht, was sie da machen.


Welches sind die spannendes Trends auf die Gründer setzten (sollten) ?

Da gibt es meiner Meinung nach viele. Es gibt große und kleine Segmente, die noch ein paar gute Gründungen vertragen. Im Moment finde ich Themen wie das Real-Time Web und partizipative Modelle (im B2C und auch B2B Segment) sehr spannend. Viele bisher statische Grenzen verschwimmen, man kann Wertschöpfungsketten neu denken und organisieren und hat technische Möglichkeiten zur Verfügung ganz neue Geschäftsmodelle zu realisieren.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit einem Business Angel oder einer Beteiligungsgesellschaft vorstellen, welches sind die größten Unterschiede zum Bankkredit ?

Das kann man wahrscheinlich nicht verallgemeinern. Bei M10 ist es so, dass wir intensiv mit unseren Firmen zusammenarbeiten. Natürlich ist das phasenweise unterschiedlich, aber zumeist ist es so, dass wir recht viel inhaltlich mit unseren Unternehmen arbeiten. Normalerweise einen Personentag in der Woche. Da ist es dann schon wichtig, dass man Lust darauf hat, auch Zeit miteinander zu verbringen und gemeinsam am Erfolg zu arbeiten.


Was würden Sie als klassischen Fehler in der Wachstumsphase junger Unternehmen bezeichnen ?

Ein wichtiges Thema ist es unserer Meinung nach das eigene Modell und den Markt genau zu verstehen. Das tun regelmässig weniger Teams als man denkt. Weiterhin ist es meiner Erfahrung nach nicht schlimm Fehler zu machen. Man muss viel machen und schnell lernen, was gut funktioniert und was man schnell wieder anders machen möchte. Wenn man dabei auf einem guten Fundament steht, dann kann etwas draus werden. Zuguterletzt: Es wird immer und immer wieder unterschätzt wieviel Zeit, Geduld und Geld es meistens braucht bis ein Geschäft – und insbesondere die Organisation aus Menschen und Technologie hinter dem Geschäft – aufgebaut ist. Wer in Zeiträumen von weniger als 5 Jahren denkt, macht sich einfach was vor.

Welchen Exit, (Ausstiegsstrategie) streben Sie regelmäßig an?

Da sind wir nicht festgelegt. Wir sind nicht zwangsläufig exitorientiert in unseren Investitionen. Für uns ist es auch ein sehr schönes Modell an einer erfolgreichen und profitablen Firma beteiligt zu sein und über Wertzuwachs und Gewinnausschüttungen erfogreich zu sein. Gerne auch bis zu unserer Rente in ca. 30 Jahren  :-) .

Herr Reinboldt, Herr Schwahlen, vielen Dank für das Interview!

 

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